Klagen zeigen Konstruktionsfehler der Landarztquote
Die Klagen zweier Medizinstudenten gegen die saarländische Landarztquote bestätigen aus Sicht der FDP Saar die grundsätzlichen Schwächen dieses Instruments. Im Saarland werden derzeit rund acht Prozent der Medizinstudienplätze über die Landarztquote vergeben; ab dem Wintersemester 2026/27 soll der Anteil auf gut elf Prozent steigen. Die Studenten verpflichten sich dabei bereits vor Studienbeginn, später zehn Jahre in der hausärztlichen Versorgung im ländlichen Raum tätig zu sein. Bei einem Verstoß droht eine Vertragsstrafe von bis zu 250.000 Euro.
„Wir halten es grundsätzlich für falsch, junge Menschen schon vor Beginn ihres Medizinstudiums auf eine spätere ärztliche Tätigkeit festzulegen. Zu diesem Zeitpunkt weiß niemand, ob sich ein Student später für Allgemeinmedizin, Chirurgie, Augenheilkunde oder eine andere Fachrichtung begeistern wird. Gerade weil uns Ärzte in vielen Fachgebieten fehlen, ist eine derart frühe staatliche Lenkung der falsche Weg“, erklärt Dr. Helmut Isringhaus, gesundheitspolitischer Sprecher der FDP Saar.
Die Landarztquote schaffe zudem keinen einzigen zusätzlichen Arzt, sondern verteile lediglich die ohnehin zu wenigen Medizinstudienplätze nach anderen Kriterien. Die FDP Saar fordert deshalb mehr Studienplätze, einen praxisorientierten Landarzt-Ausbildungspfad und bessere wirtschaftliche Bedingungen für die Niederlassung in unterversorgten Regionen.
Für die jetzt anhängigen Klagen hat Isringhaus allerdings nur begrenzt Verständnis: „Wer einen Studienplatz über die Landarztquote angenommen hat, kannte die Bedingungen und wusste, worauf er sich einlässt. Deshalb muss die rechtliche Frage der Vertragsbindung von unserer politischen Kritik am Modell getrennt werden. Wir wollen die Landarztquote für die Zukunft überwinden – aber geschlossene Verträge können nicht einfach bedeutungslos werden, nur weil sich die persönlichen Pläne später ändern.“
Für die FDP Saar liegt die nachhaltige Antwort auf den Ärztemangel deshalb nicht in immer größeren Quoten. „Wir brauchen mehr Ärzte, nicht mehr staatliche Verteilungsmechanismen. Mehr Medizinstudienplätze und attraktive Arbeitsbedingungen sind der bessere Weg, um junge Ärzte freiwillig für die hausärztliche Versorgung im ländlichen Raum zu gewinnen.„Ein Blick über den saarländischen Tellerrand lohnt sich: Die Landkreise Kaiserslautern und Kusel zeigen beispielsweise, wie man dem drohenden Ärztemangel mit kreativen Konzepten begegnen kann“, so Dr. Helmut Isringhaus.