Fußballfans nicht gegeneinander ausspielen – Debatte über Sicherheit und Polizeikosten braucht mehr Augenmaß
Die FDP Saar fordert eine sachliche Diskussion über Sicherheit bei Fußballspielen und warnt davor, Vereine, Fans und den Profifußball insgesamt immer stärker auf Sicherheitsfragen und Polizeikosten zu reduzieren.
Aus Sicht der Liberalen zeigen die aktuellen Debatten im Saarland eine Entwicklung, die kritisch betrachtet werden muss. Einerseits die Aussagen des AfD-Politikers Dörr, wonach man, er impliziert, anders als bei den Fans des 1. FC Saarbrücken, „keine Angst vor den Fans der SV Elversberg haben müsse“. Andererseits die Forderung von Raphael Schäfer, Parlamentarischer Geschäftsführer der CDU-Landtagsfraktion, „Veranstalter“, also die Vereine, künftig stärker an den Polizeikosten zu beteiligen. Begründet wird dies mit dem Argument, zahlen solle derjenige, „der veranstaltet und wirtschaftlich profitiert“.
Für die FDP Saar greifen beide Sichtweisen zu kurz, weil sie den Fußball vor allem aus der Perspektive von Risiko, Kosten und Sicherheitslagen betrachten und dabei ausblenden, welche gesellschaftliche und wirtschaftliche Bedeutung der Sport gerade im Saarland hat. Dazu erklärt Gudrun Bierbrauer-Haupenthal, stellvertretende Landesvorsitzende der FDP Saar: „Ich widerspreche ausdrücklich der Aussage, man müsse vor den Fans des 1. FC Saarbrücken ‚Angst haben‘. Man muss weder vor den Fans des FCS noch vor denen der SVE Angst haben. Solche Aussagen helfen niemandem und stellen am Ende ganze Fanszenen unter Generalverdacht.“
Natürlich gebe es Situationen, in denen die Polizei eingreifen müsse. Das sei bei Großveranstaltungen insgesamt nicht ungewöhnlich und gehöre zur Realität dazu. Daraus aber ein grundsätzliches Bild über ganze Fangruppen abzuleiten, werde den Fans nicht gerecht. Die überwältigende Mehrheit gehe ins Stadion, um Fußball zu erleben, ihren Verein zu unterstützen, Gemeinschaft zu leben und Zeit mit Familie und Freunden zu verbringen. Viele engagierten sich darüber hinaus in Fanprojekten, organisierten Auswärtsfahrten, Choreografien und vielfältige soziale Aktionen, ganz zu schweigen von der Strahlkraft, die der Fußball auf Jugendliche hat.
Aus Sicht der FDP setzt sich diese verkürzte Betrachtung nun auch in der Debatte um Polizeikosten fort. „Wenn gesagt wird, zahlen soll derjenige, der veranstaltet und wirtschaftlich profitiert, klingt das zunächst nachvollziehbar. Aber wirtschaftlich profitiert eben nicht nur der Verein“, so Bierbrauer-Haupenthal weiter. Von Spieltagen profitierten auch Gastronomie, Hotellerie, Einzelhandel, Verkehrsbetriebe, Sicherheitsunternehmen und zahlreiche weitere Dienstleister. Zuschauer brächten Kaufkraft in die Region, sorgten für zusätzliche Umsätze und stärkten die lokale Wirtschaft. Der Nutzen ende eben nicht am Stadiontor. „Fußball schafft Wertschöpfung weit über die Vereine hinaus. Man kann nicht so tun, als stünde auf der einen Seite nur ein Verein, der Geld verdient, und auf der anderen Seite der Staat, der ausschließlich Kosten trägt. Der Fußball bringt deutlich mehr zurück als nur seine direkten Einnahmen. Er ist ein Wirtschaftsfaktor für die gesamte Region.“
Kritisch sieht die FDP Saar auch die Verwendung des Begriffs Veranstalter in der aktuellen Debatte. „Das klingt so, als würden Vereine frei entscheiden, ob sie ein Spiel austragen möchten. Tatsächlich sind diese Spiele Teil eines festen Ligasystems mit Spielplänen, Verbandsvorgaben und Lizenzauflagen. Vereine suchen sich diese Begegnungen nicht aus. Sie sind Teil des Wettbewerbs. Insofern müsste sich Schäfers Forderung eher an die Liga richten.“
Hinzu komme, dass Polizeieinsätze nicht ausschließlich dem Schutz der Vereine dienten. „Die Polizei ist nicht nur im Stadion unterwegs. Es geht um Bahnhöfe, Innenstädte, öffentliche Wege und den Schutz aller Beteiligten. Das sind Aufgaben der öffentlichen Sicherheit und nicht einfach Dienstleistungen für einen Verein.“
Die FDP Saar spricht sich deshalb auch für mehr Augenmaß bei Sicherheitskonzepten aus. „Beim Spiel des FCS gegen Hansa Rostock hatte ich persönlich den Eindruck, dass das Polizeiaufgebot überdimensioniert war. Sicherheit hat immer Vorrang, daran gibt es keinen Zweifel. Trotzdem muss die Frage erlaubt sein, ob größer automatisch immer besser bedeutet. Manchmal entsteht der Eindruck, dass Einsätze vorsorglich eher zu groß als zu klein geplant werden.“
Für die FDP Saar ist klar: Fußballfans dürfen nicht gegeneinander ausgespielt und Vereine nicht einseitig zu Kostenverursachern gemacht werden. „Fußball ist im Saarland weit mehr als ein Spiel. Er ist Identifikation, Gemeinschaft und ein bedeutender wirtschaftlicher Faktor. Deshalb brauchen wir weniger Pauschalurteile, weniger Gegeneinander und mehr Vertrauen gegenüber Fans, Vereinen und allen, die diesen Sport tragen.“