Frühe Sprachdiagnostik ist richtig – Jetzt Kitas strukturell stärken!
Die stellvertretende Landesvorsitzende der FDP Saar, Gudrun Bierbrauer-Haupenthal, bewertet die heute von Bildungsministerin Christine Streichert-Clivot vorgestellten Maßnahmen zur frühen Sprachförderung grundsätzlich als begrüßenswertes, aber dennoch überfälliges Eingeständnis des Handlungsdrucks. Sie warnt jedoch vor einem bildungspolitischen Kurzschluss durch technikgetriebenen Aktionismus. Dass im Saarland rund 30 Prozent der Kinder bei der Einschulung nicht ausreichend Deutsch sprechen, in einzelnen Grundschulen sogar mehr als die Hälfte, sei ein alarmierendes Signal, das konsequentes strukturelles Handeln erfordere.
Die Ministerin plant eine verpflichtende Sprachstandsfeststellung für alle Vierjährigen, die zwei Jahre vor der Einschulung mithilfe einer gemeinsam mit der Universität des Saarlandes entwickelten App erfolgen soll. Diese soll spielerisch Wortschatz, Sprachverständnis, Satzbau und Erzählfähigkeit erfassen; Kinder mit Förderbedarf sollen anschließend zusätzliche Sprachförderstunden erhalten. Nach Darstellung des Ministeriums soll die Diagnostik dabei „sprachsensibel“ erfolgen. Aus Sicht der FDP Saar ist jedoch offen, ob der verstärkte Fokus auf digitale Testinstrumente tatsächlich die Kernprobleme löst. Gudrun Bierbrauer-Haupenthal erklärt dazu: „Eine App kann ein hilfreiches Diagnosewerkzeug sein, sie ersetzt aber weder qualifiziertes Personal noch alltagsintegrierte Sprachbildung in gut ausgestatteten Kitas.“ Entscheidend sei nicht die technische Erhebung von Daten, sondern die Qualität der anschließenden Förderung.
Die Liberalen sehen die Gefahr, dass die Landesregierung mit großem organisatorischem Aufwand vor allem neue Messinstrumente einführt, ohne die strukturellen Engpässe konsequent zu beheben. Bereits heute stoßen viele Kitas im Saarland aufgrund von Personalmangel und ungünstigen Betreuungsrelationen an ihre Grenzen. Ohne deutlich mehr Fachkräfte, verlässliche Personalstandards und echte Entlastung im Kita-Alltag drohe zusätzliche Diagnostik ins Leere zu laufen. „Wenn wir immer genauer messen, aber nicht besser fördern können, hilft das keinem Kind“, so Bierbrauer-Haupenthal. Zudem wirkt dieser aktuelle Vorstoß eher wie ein Ausdruck politischen Nachsteuerungsdrucks. Die Probleme bei der frühkindlichen Sprachentwicklung seien seit Jahren bekannt, die Defizite sind ganz offensichtlich. Umso wichtiger sei jetzt ein nachhaltiger statt ein kurzfristig wirkender Ansatz. Die FDP Saar fordert daher, die Modellphase transparent wissenschaftlich zu evaluieren, die Praxistauglichkeit der App unabhängig zu überprüfen und vor allem parallel massiv in Personal, Qualität und frühzeitige, kontinuierliche Sprachbildung zu investieren.
Bierbrauer-Haupenthal betont abschließend: „Frühe Sprachförderung entscheidet über Bildungswege und Integration. Digitale Diagnostik kann ein Baustein sein, allerdings nur, wenn sie eingebettet ist in ein starkes, personell gut ausgestattetes Kita-System. Genau bleibt die Landesregierung bis jetzt konkrete Antworten schuldig.“