Einmal googeln genügt – Überfrachtung an Schulen treibt Lehrkräfte aus dem Beruf

Wer googelt, sieht sofort, was Lehrkräfte täglich erleben: Gewalt, Mobbing, psychische Krisen, Integrationsaufgaben und Lehrermangel. Für die FDP Saar belegen solche Schlagzeilen eine strukturelle Überfrachtung des Berufs und erklären, warum immer mehr Lehrkräfte aussteigen.

Schulen sollen heute zusätzlich Demokratie stärken, Integration leisten, psychische Krisen auffangen, Medienkompetenz vermitteln und soziale Ungleichheiten ausgleichen. Diese politisch gewollten Aufgaben landen operativ bei den Lehrkräften im Klassenzimmer.

„Schulen sollen gleichzeitig erziehen, integrieren, stabilisieren und Konflikte lösen – ohne ausreichende Unterstützung und ohne personelle, zeitliche oder finanzielle Ressourcen“, sagt Gudrun Bierbrauer-Haupenthal, stellvertretende Landesvorsitzende der FDP Saar. „Das ist keine vorübergehende Mehrbelastung mehr, sondern eine dauerhafte strukturelle Überfrachtung.“

Immer häufiger müssen Lehrkräfte auch basale Alltagskompetenzen vermitteln – vom Umgang mit Schere und Stift bis zu einfachsten Selbstständigkeiten. Diese Grundlagen können im Unterricht nicht zusätzlich geleistet werden. Wo sie im Elternhaus fehlen, braucht es vorgelagerte Angebote. Die FDP Saar fordert daher eine verpflichtende „Klasse 0“ vor der Einschulung, in der Basiskompetenzen ggf. systematisch erlernt werden.

Zudem geraten Lehrkräfte zunehmend in eine Sündenbock-Rolle. Zwar haben sie einen Erziehungsauftrag, doch ihre Möglichkeiten werden eingeschränkt: Anforderungen steigen, während Eingriffsmöglichkeiten, Autorität und Unterstützung sinken. „Alles, was gesellschaftlich schiefläuft, soll in der Schule gelöst werden. Und wenn es nicht gelingt, sind die Lehrer schuld“, kritisiert Bierbrauer-Haupenthal. „Lehrkräfte leisten keine schlechtere Arbeit. Nur sollen sie Probleme lösen, die weder im Elternhaus noch politisch bewältigt werden. Weil dies gar nicht zufriedenstellend gelingen kann, bleibt die Erfahrung von Wirksamkeit aus und die Frustration steigt.“ So erklären sich Überforderung, Sinnverlust und steigende Ausstiegszahlen. „Wir verlieren engagierte Menschen nicht, weil sie ihren Beruf nicht lieben, sondern weil die Bedingungen nicht mehr tragfähig sind.“

Zusätzliche Erwartungen an Schulen sind u. a.: Demokratiebildung und Extremismusprävention, Integration und Sprachförderung, Bewältigung psychischer Krisen, Ausgleich sozialer Ungleichheit, Medienkompetenz, Umwelt- und Wertebildung, Inklusion sowie erweiterte Erziehungsarbeit. Diese Ausweitung trifft direkt die Lehrkräfte.

Die FDP Saar fordert daher ein Umsteuern: verbindliche Mindeststandards für Schulsozialarbeit und Psychologie, Bürokratieabbau, zusätzliche Ressourcen nach Sozialindex, mehr Entscheidungsspielräume für Schulleitungen und akut verpflichtende Sprach- und Selbständigkeitsförderung vor der Einschulung.

„Wenn Schule alles richten soll, was gesellschaftlich schiefläuft, darf sich niemand wundern, wenn immer mehr Lehrer sagen: So geht es nicht mehr“, so Bierbrauer-Haupenthal.