Desaströse Bilanz einer überforderten Ministerin
In der freien Wirtschaft würde im Arbeitszeugnis der Bildungsministerin Christine Streichert-Clivot die vernichtende Beurteilung „… stets sehr bemüht“ stehen. Zu deutsch: Sie kann es nicht! Hierzulande ist es der Landesrechnungshof, der diese Feststellung trifft. „In einem Wirtschaftsbetrieb wäre eine Hauptabteilungsleiterin mit den Leistungen von Bildungsministerin Streichert-Clivot und des ihr unterstellten Ministeriums schon lange nicht mehr tragbar. In der Wirtschaft müssen ‚Under-performer‘ gehen. In der Regierung Rehlinger haben sie ein warmes Plätzchen. Das ist nicht länger hinnehmbar!“, stellt die Landesvorsitzende der FDP Saar, Angelika Hießerich-Peter, kategorisch fest.
Der drohende Lehrermangel zeigt ein völliges Steuerungsversagen des seit 2012 SPD-geführten Bildungsministeriums. Bis 2035 müssen nach dessen eigener Prognose rund 4.000 Lehrer eingestellt werden. Allein 2027 entsteht durch G9 ein Bedarf von etwa 505 Neueinstellungen. Trotzdem fehlen eine langfristige Personalplanung, schnelle Einstellungsverfahren und konkurrenzfähige Arbeitsbedingungen.
Alles seit Jahren bekannt: Veraltete Personalprogramme, doppelte Datenerfassung und „Schattenlisten“ wurden bereits 2013 kritisiert. Bewerbungsverfahren sind langsam und intransparent.
Die FDP Saar warnt aber, den Lehrermangel durch möglichst hohe Einstellungszahlen statistisch schönzurechnen. Eine besetzte Stelle bedeutet nicht automatisch gesicherten Fachunterricht. Denn Lehrer ist nicht Lehrer. Es muss klar unterschieden werden zwischen ausgebildeten Lehrern, Quer- und Seiteneinsteigern, Studenten und Aushilfskräften, pädagogischen Fachkräften, befristeten und unbefristeten Beschäftigten. Nicht jeder ist ein uneingeschränkter Ersatz für vollständig ausgebildete Lehrer. Auch die sogenannte Lehrerreserve ist faktisch keine Reserve mehr. Ein weiterer Verschleierungseffekt entsteht durch Abordnungen von Lehrern ins Ministerium. Hier entsteht ein geschöntes Bild der Unterrichtsversorgung. Entscheidend ist, wie viele qualifizierte Wochenstunden für den regulären Fachunterricht tatsächlich zur Verfügung stehen.
Der Lehrermangel darf nicht durch ein schleichendes Aufweichen des Lehrerbegriffs gelöst werden. Für Quer- und Seiteneinsteiger braucht es verbindliche Qualitätsanforderungen. Masse statt Klasse ist keine Lösung des Lehrermangels.
Hohe Arbeitsbelastung, unbezahlte Mehrarbeit, Verwaltungsaufgaben und fehlende Reserven bringen erfahrene Lehrer dazu, auszusteigen oder in andere Bundesländer zu wechseln. Wer neue Lehrer gewinnen will, muss zunächst die vorhandenen Lehrer halten. Dafür braucht es: Schulverwaltungsassistenten, eine echte mobile Lehrerreserve für alle Schulen, eine Evaluierung der tatsächlichen Lehrerarbeitszeit und eine konkurrenzfähige Besoldung. Im Falle eines Falles Gespräche über die Gründe für Kündigung und vorzeitigen Ruhestand.
Die FDP Saar spricht sich gegen eine pauschale Personalforderung ohne vorherige Bedarfs-, Wirkungs- und Finanzierungsprüfung aus. Die FDP Saar fordert einen verbindlichen Lehrerbedarfsplan bis 2035, aufgeschlüsselt nach Jahr, Schulform und Fach. Dazu gehört eine öffentliche Personalstatistik nach Qualifikation, Vollzeitäquivalenten und tatsächlich verfügbaren Lehrerwochenstunden. Bewerbungen für Mangelfächern sollten innerhalb weniger Wochen bearbeitet werden. Vor allem braucht es ein modernes digitales Bewerberportal und zügige Anerkennungsverfahren.
„Der Lehrermangel darf weder durch Mehrarbeit der vorhandenen Lehrer noch durch geschönte Einstellungszahlen kaschiert werden. Wer Studenten, Aushilfen und pädagogische Fachkräfte zählt, als wären sie vollständig ausgebildete Lehrer, täuscht über die tatsächliche Unterrichtsversorgung hinweg“, erklärt Hießerich-Peter. „Das Bildungsministerium muss aufwachen und vom Ankündigen und Schönrechnen zum echten Handeln kommen!“